Rhein-Zeitung.de          06.05.2014

 

Gedenkstein: Eine Stätte zum Abschiednehmen


Flammersfeld.  Trauer braucht einen Raum - auch die Trauer von behinderten Menschen.

Mit der Einweihung der Gedenkstätte für die Verstorbenen der Lebenshilfe-Einrichtungen auf dem Flammersfelder Friedhof ist ein solcher Raum geschaffen worden.

Gemeinsam wurde die Gedenkstätte für die Verstorbenen der Lebenshilfe-Einrichtungen auf dem Flammersfelder Friedhof eingeweiht.
Gemeinsam wurde die Gedenkstätte für die Verstorbenen der Lebenshilfe-Einrichtungen auf dem Flammersfelder Friedhof eingeweiht.

Foto: - Susanne Schneider

Zahlreiche Besucher hatten sich eingefunden,  um gemeinsam diesen besonderen Augenblick am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung zu erleben.

Für die Gestaltung des Gedenksteins war die Bildhauerin Linde Tolksdorf verantwortlich.  Mit viel Liebe hat sie im hellgrauen Stein der Stele ein Relief verewigt, welches sich an den Händen haltende Menschen zeigt.  "Mein Grundgedanke war das Miteinander und die Gemeinschaft.  Denn wir sind alle voneinander abhängig",  erklärt Tolksdorf.  Unterhalb des Reliefs steht das Bibelzitat  "Seid getrost, Fürchtet euch nicht"  als Inschrift.

Auf kleinen Tafeln wird den bisher Verstorbenen gedacht.  Denn,  wie Jochen Krentel, Geschäftsführer der Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen feststellte,  ist eine Erinnerung nicht möglich, ohne die Menschen und

ihre Namen gekannt zu haben.

Ergänzt wird die Stele durch eine Lichtsäule.  "Hier kann jeder den Verstorbenen ein Licht anzünden",  erläutert Tolksdorf.  Zu dem Ensemble gehört auch ein Bodenmosaik aus Sand mit bunten Steinen, die in Form von Blumen gelegt sind.  Bei der Einweihung konnte dort jeder einen von den Mitarbeitern der Lebenshilfe-Werkstatt bemalten Stein ablegen.

Die Idee,  eine Stätte zu etablieren,  an der behinderte Menschen ihrer Trauer Ausdruck verleihen können,  bestand schon länger.  "Wir haben uns die Frage gestellt,  wie man einen Ort erschaffen kann,  der nicht so erinnerungsschwer ist,  aber trotzdem einen würdigen Rahmen bietet",  sagt Krentel.  Unterstützung für das Projekt erhielt der Verein nicht nur vom Friedhofzweckverband und der Verbands- und Kirchengemeinde,  sondern auch von der Aktion Mensch.  Bevor Pfarrer Thomas Rössler-Schaake ein Segensgebet sprach, wies VG-Bürgermeister Josef Zolk darauf hin,  dass die Erinnerung an die Toten ein wichtiger Teil der Lebenswirklichkeit und der Kultur ist:  "Abschied nehmen gehört zur Trauerarbeit.  Dem soll dieser Gedenkstein auf unserem Friedhof und gegenüber unserer Lebenshilfe dienen.  Ich bin dankbar, dass dies möglich wurde. "

Musikalisch umrahmt wurde die Einweihung vom Chor Geradeaus unter der Leitung von Matthias Ludwig.